Die estnische Wirtschaft

Estland hat sich seit der Wiedererlangung seiner Unabhängigkeit 1991 rapide gewandelt und ist derzeit eines der am meisten entwickelten Länder im ehemaligen Ostblock. Estland ist 2004 der EU beigetreten und hat seit 2011 den Euro als Währung.

Die estnische Wirtschaft ist sehr divers, wobei Dienstleistungen mit 70% zum BIP beitragen. Im Vergleich zu anderen OECD-Staaten ist der Anteil von Handel, Tourismus und Transport höher, während der anderer Dienstleistungen niedriger ist. Den wichtigsten Beitrag zum BIP leisten Produktion, Groß- und Einzelhandel sowie das Immobiliengewerbe.

Estland hat starke wirtschaftliche Verbindungen zu den nordischen Ländern, die zugleich die wichtigsten Auslandsinvestoren und die wichtigsten Handelspartner sind. Die meisten Exporte gehen nach Finnland, Schweden, Deutschland, Lettland und Norwegen, während der Einfluss von Russland, das einst drittwichtigstes Exportland war, rapide zurückgeht.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Nähe zu Finnland, mit über 2,4 Millionen Besucher aus Finnland jedes Jahr und einer großen Anzahl Esten, die vorübergehend oder dauerhaft in Finnland arbeiten.

Der öffentliche und finanzielle Sektor haben sich in Estland schnell in Richtung Digitalisierung gewandelt. Die Entwicklungszentren von vielen großen IT-Firmen sind hier beheimatet, inklusive Skype, Twilio, Transferwise, Kuehne&Nagel und weiteren.

Estland erreicht außerdem hohe Platzierungen bei der wirtschaftlichen Freiheit (9. Platz) und bei der Einfachheit der Geschäftstätigkeit (12. Platz).

Die wirtschaftliche Entwicklung war in den Jahren 2000 bis 2007 sehr gut, angetrieben durch ausländische Investitionen, Verfügbarkeit von EU-Mitteln, mehr verfügbarem Einkommen und einen einfacheren Zugang zu Krediten, wobei das Wirtschaftswachstum 2006 mit 10,5% seinen Hochpunkt erreichte. Dies führte jedoch zu einer Überhitzung und einer Blase und anschließenden Krise im Handelssektor, was mit der globalen Krise 2008 zusammenfiel. Das Wirtschaftswachstum betrug 2008 -5% und 2009 -14,2%, wobei die Industrieproduktion um 4,6% bzw. 23,9% zurückging.

Seit 2010 hat sich die estnische Wirtschaft gut von der Krise erholt und hat seither eine starke Entwicklung aufgezeigt. Das Wachstum des BIP seit 2013 betrug nach einem zunächst starkem Anstieg 1,2% im Jahr 2015 und wird auf etwa 2% für das Jahr 2016 prognostiziert. Obwohl es das langfristige Ziel ist, durch ein stärkeres Wirtschaftswachstum zu den reicheren EU-Staaten aufzuschließen ( das Einkommensniveau liegt derzeit bei 54% des EU-Durchschnitt), wird in den kommenden Jahren ein Wachstum von 2-3% erwartet.

Eine geringe Arbeitslosenrate und eine hohe Teilnahme am Arbeitsmarkt üben Druck auf die Löhne auf und eine Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit trotz steigender Kosten wird eine der größten Herausforderungen der nächsten Jahre sein. Dies trifft vor allem auf den Exportsektor mit seiner großen internationalen Konkurrenz zu, während die ansteigende Binnennachfrage für den Handels-, Finanz- und Immobiliensektor von Vorteil ist.

Haben Sie Fragen? Anfrage einreichen

0 Kommentare

Zu diesem Beitrag können keine Kommentare hinterlassen werden.